bet and win

11 Mai

Mit hundertprozentiger Sicherheit gewinnt bei einer Sportwette nur der Wettanbieter. Eine Berliner Mathematikerin hat nun eine Option entdeckt, die immerhin todsichere Gewinne verspricht, solange nur wenige davon wissen.

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Ein Zahlenbeispiel: Angenommen, beim deutschen Wettbüro stehen die Quoten 4 zu 1,1 für den Australier und in Australien 3,5 zu 1,25 für den Deutschen. Man setzt dann einen Euro in Deutschland auf den Australier und in Australien einen auf den Deutschen. Das kostet genau zwei Euro. Gewonnen werden entweder 3,5 oder 4 Euro – macht eine Rendite von 175 beziehungsweise 200 Prozent. Börsianer, die so etwas versprechen, gelten als windig. Der Wetttrick funktioniert natürlich nur, erklärt Wittmüß, weil parallel in zwei voneinander isolierten Gemeinschaften gespielt wird.

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Das Prinzip des sicheren Gewinns lässt sich auch auf Fußballwetten übertragen – allerdings mit der Besonderheit, dass Kicker mitunter auch dazu neigen, sich nicht entscheiden zu können und mit einem Remis auseinandergehen. Das ist mathematisch gesehen eher unschön. „Ich könnte zum Beispiel beim Spiel Deutschland gegen Polen gleichzeitig in einem deutschen Sportverein und in einem polnischen wetten“, sagt Wittmüß. Die jeweiligen Präferenzen sollten für unterschiedliche Wettquoten sorgen, die der wissende Wettlaie dann eiskalt ausnutzt. In der Tat wären interne Wetten von Vereinen besonders gut für die todsichere Sportwette geeignet, weil sie eher nicht so eng an die Internetquoten gekoppelt sind.

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Ein Beispiel: Bei einem Wettbüro beträgt die Quote 4,0 zu 1,2 dafür, dass Mannschaft A die Mannschaft B besiegt. Bei einem anderen Anbieter, oder im eigenen Sportverein, sind die Leute weniger optimistisch – die Quote ist etwas kleiner, zum Beispiel 2,5 zu 1,5. In beiden Fällen wetten Mehrheiten auf einen Sieg von A – allerdings mit unterschiedlichen Quoten. Das reicht erstaunlicherweise für eine sichere Wette: Man setzt einfach beim ersten Anbieter 1,5 Euro auf Mannschaft B und beim zweiten 4,0 Euro auf Mannschaft A. Was auch passiert, die Auszahlung wird genau 1,5 * 4,0 = 6,0 Euro betragen, der Einsatz liegt bei 4,0 + 1,5 = 5,5 Euro. Macht immerhin 50 Cent Gewinn – mit Sicherheit.

Wer es lieber als Formel mag: Der Gewinn in Höhe von a * b muss größer sein als der Einsatz von a + b. Das kann natürlich nur in zwei verschiedenen, voneinander isolierten Wettsystemen auftreten, weil sonst der Wettanbieter Verluste machen würde. Wer solche isolierten Systeme findet, sollte also besser nicht viel Aufhebens darum machen, etwas Geld setzen und still und heimlich auf den sicheren Gewinn warten.

Links:
Spiegel: Die todsichere Fußballwette.

John Maynard – Theodor Fontane

8 Mai

john maynard

John Maynard!
„Wer ist John Maynard?“
„John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo –
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?“
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
„Noch dreißig Minuten … Halbe Stund.“

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –
Da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
„Feuer!“ war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. –

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
„Noch da, John Maynard?“
„Ja,Herr. Ich bin.“

„Auf den Strand! In die Brandung!“
„Ich halte drauf hin.“
Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. – –

„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s
Mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n
Himmelan aus Kirchen und Kapell’n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug‘ im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
„Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Links:

Lyrikwelt: Theodor Fontane

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Der Deutschland-Clan – Jürgen Roth

8 Mai

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Würde Silvio Berlusconi Nachhilfe in Sachen mafiöser Strukturen brauchen, müsste er nach Deutschland kommen. Da werden Flugreisen von Politikern wie Johannes Rau oder Wolfgang Clement von der WestLB bezahlt, während man Zeugen der Flüge mundtot machen will; ist das Scheffeln von Millionen durch Förderung der Korruption in Konzernen wie Dresdner Bank oder DaimlerChrysler mittlerweile an der Tagesordnung; werden Anleger eines Versicherungskonzerns um Millionen betrogen, und nicht nur ein ehemaliger Verteidigungsminister ist involviert, sondern auch die Justiz schaut nur zu. Bestsellerautor Jürgen Roth zeigt in seinem neuen Buch, wie ein engmaschiges Netzwerk aus hochrangigen Politikern, führenden Konzernchefs und toleranten Justizbehörden die Deutschland AG mit Methoden beherrscht, die eines Rechtsstaats unwürdig sind. Wer wen erpreßt, wer die Drahtzieher anrüchiger Deals sind und warum die Justiz nicht ermittelt – dieses Buch enthüllt anhand bisher unbekannter Dokumente Gaunerkartelle, Korruptionsaffären und Verstrickungen von Ministern, Top-Managern und Staatsanwälten.Jürgen Roth enthüllt das Dichte und für die Beteiligten äusserst profitable Geflecht von Abhängigkeiten zwischen hochrangigen Politikern, führenden Managern und Justizbeamten.

Links:

Zum Autor: Jürgen Roth.

Lexikon der Medizin-Irrtümer – Werner Bartens

4 Mai

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„Zieh dir was Warmes an, sonst erkältest du dich!“ Eine oft gehörte Ermahnung und zugleich eines der hartnäckigsten medizinischen Irrtümer. Bei kalten Temperaturen kommt es nicht wegen zu dünner Pullover häufiger zu Erkältungen — Grund ist die erhöhte Anzahl von Krankheitskeimen in geschlossenen Räumen. Mit seinem Lexikon der Medizinirrtümer schreibt Werner Bartens — von A wie Abtreibung bis Z wie Zecke — unter anderem gegen solche althergebrachten Mythen und Gesundheitstipps an. Etwa, dass Lesen bei schlechtem Licht den Augen schade, Schwimmen mit vollem Magen gefährlich sei oder zu viel Salz den Blutdruck gesundheitsgefährlich hochtreibe. Wie schon in Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt nähert sich Arzt und Autor Werner Bartens auch in seinem neuen Buch dem Thema kompetent und unterhaltsam zugleich. Mit kritischem Blick wälzte er unzählige Untersuchungen, sprach mit Fachleuten und bringt auch komplexe Sachverhalte für den Laien auf den Punkt. Manchmal ist das Fazit ein lapidares „konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden“, etwa der Einfluss der Mondphasen auf Operationen. In anderen Fällen handelt es sich um medizinische Irrtümer mit gefährlichen Folgen, z.B. Östrogene als Anti-Aging-Substanz bei Frauen nach den Wechseljahren einzusetzen — mit gravierenden Nebenwirkungen. Zweifellos ein empfehlenswerter Streifzug durch die Welt von Ärzten, Krankheiten und Arzneien, bei dem es einiges zu lernen und zu schmunzeln gibt. Man erfährt beispielsweise, was es mit dem „Gitarrenkantensyndrom“ auf sich hat oder warum bei allen Menschen die rechte Gesichtshälfte die Schokoladenseite ist. Und nachdem Jahrhunderte lang vor den gesundheitlichen Gefahren jugendlicher Masturbation gewarnt wurde, verkehrt sich hier die Sachlage dank neuerer Studien sogar ins Gegenteil: Häufige Selbstbefriedigung in der Pubertät schützt offenbar vor Prostatakrebs. .