Samenspender – unterhaltspflichtig

4 Mrz

Samenspender sind unterhaltspflichtig. Mündliche Absprachen helfen dabei wenig. Auch wenn vorab im harmonischen Ambiente Absprachen getroffen wurden, kann der Zustand später schnell seinen juristischen Gang nehmen. Der Samenspender wird spätestens dann in die Realität zurückgeholt, wenn er einer Aufforderung zur Offenlegung seines Einkommens nachkommen muss. Denn für einen Juristen besteht trotz einvernehmlicher Spende das Recht des Kindes auf Unterhalt und Erbe. Möglicher Ausweg, sich den Unterhaltszahlungen zu entziehen, besteht in der Adoption des Kindes durch den Partner der Mutter des Kindes. Damit sollten diese Verpflichtungen auf besagten Partner übergehen, der sich diese Bürde aber zweimal überlegen wollte, zumal es nicht sein eigenes, leibliches Kind ist. Die leibliche Mutter wiederum ist verpflichtet, Angaben zum Erzeuger zu machen, ansonsten entfallen möglicherweise staatliche Zuwendungen. Ebenso stehen Samenbankbetreiber diesbezüglich auf wackligen Beinen. Wurde der Spender nicht ausreichend durch Betreiber informiert, droht Ungemach für den Spender, und kann nach Jahren in die Pflicht genommen werden.
Bleibt am Ende das Kind, für das geklagt wird. Hier täte die Rechtsprechung im Sinne des Kindes gut daran, Ansprüche vorab, schon vor der Geburt, zu klären, inwieweit die Erzeuger im einzelnen bereitwillig sind, für das Kind aufzukommen. Unterschreiben beide, haben beide gleichen Anspruch auf das Kind, und nicht, wie so oft, nur die leibliche Mutter. Die Gene werden biologisch ja auch im gleichen Verhältnis gemischt, wieso dann nicht auch die Rechte und Pflichten für das Kind. Wollte nur einer der Beiden die Verpflichtungen auf sich nehmen, dann darf er oder sie dies auch tun, dann aber mit allen Konsequenzen, in finanzieller wie rechtlicher Hinsicht. Der andere Part hat dann keine weiteren Verpflichtungen, aber auch keine Belange, die an das Kind eingefordert werden dürfen.
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Lotto – Regenschirm

7 Nov

Es heisst, um einen Sechser im Lotto zu tippen, entspräche dem Bemühen, die richtige Telefonnumer in einer Grossstadt wie Berlin zu wählen, in der Hoffnung, denjenigen an den Hörer zu bekommen, den man fragen wollte, ob es sein Regenschirm sei, den er oder sie unbekannterweise in der U-Bahnlinie 1 verloren hätte. Ein nüchternes Unterfangen, wobei jeder, der sich dieser Aufgabe stellte, von vornherein diese Idee für Unsinn abtun täte, weil es schier unmöglich sei, genau diesen Besitzer ans Telefon zu bekommen. Und trotzdem gehen viele, sehr viele, Menschen, wie jetzt auch wieder an diesem Wochenende, wo ein Lotto-Gewinn von 20 Millionen Euro lockte, an die Wettschalter, und füllen akribisch ihre Wettscheine aus. Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht nur bei den Politikern. Dabei lässt sich über den regulären Betrieb der Ziehung der Lottozahlen wahrlich streiten. Heisst es doch, die eigentlichen Lottogewinner sollten sich schon wegen massiven Neides seiner Mitmenschen nicht zu erkennen geben. Erst nach Jahren, wenn der Gewinn in der Regel verprasst ist, weil man sein Lamborghini nagelneu in den Graben gesteuert hat oder sein Eigenheim zwecks Scheidung an seine geehelichte Lebensgefährtin abgeben musste, treten sie vor die Kamera, gerne mit der moralischen Message, moderat mit dem Geld umzugehen und nicht gleich alles für Luxus aus dem Fenster zu werfen. Stimmt das alles? Gibt es diese Menschen wirklich oder sind sie Komparsen in einem bitterbösen Spiel, wo Geld aus immensen Lottoeinnahmen unter Drahtziehern verteilt wird? Oh Wunder, wenn dann auch noch ein und dieselben Lottozahlen nochmals gezogen werden. Dieselben Zahlen mit Ausnahme der Zusatzzahlen. So geschehen in Isreal. Lottospiel ist kein deutsches Phänomen. Die Wahrscheinlichkeitsberechnung behauptet, dieselben Zahlen nochmals zu ziehen, käme einem Ereignis gleich, dass nur einmal in 2 Millionen Jahren vorkommt. In Israel schaffte man dies schon für die Ziehung im Folgemonat. Die Wahrscheinlichkeit, dass zum Beispiel ein GAU eines Atomkraftwerkes eintritt, liegt nur bei einmal in ein Millionen Jahren. Ein Hurra auf die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die uns hier hilft, Unmögliches verständlich zu machen.
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Abmahn-Anwalt – Selbstmord

1 Mrz

Der Abmahn-Anwalt Günter Freiherr von Gravenreuth starb mit 61 Jahren Ende Februar in München. Auch bekannt als der Abmahn-Ganove, legte er sich mit unzähligen Internetusern an. Er mahnte Raubkopierer ab oder verschickte lästige Massenabmahnungen. 2006 sagte er der linken Zeitung taz den Kampf an, die er wegen einer unerwünschten E-Mail zu 600 Euro verklagte. Die Zeitung bezahlte, er aber behauptete, das Geld nicht bekommen zu haben, und wollte mehr. Von Gravenreuth wollte die Webseite aufgrund Zahlungsunwillligkeit pfänden lassen und meistbietend versteigern. Der arme Kerl beging noch vor Antritt seiner Haftstrafe Selbstmord.

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Streusalz – Diebstahl

30 Jan

Der eher niedrige Kursstand der Aktie K&S, 40,82 Euro am letzten Freitag, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Streusalz in Deutschland knapp geworden ist. Während Kali und Salz in zusätzlichen Schichten der hohen Nachfrage an Streusalz gerecht zu werden versucht, wird andernorts wie in Rheine im Münsterland die ersten Diebstähle von Streusalz gemeldet. Dort wurde ein 58-Jähriger Mann von Polizisten beobachtet, wie er sich an einem städtischen Salzcontainer zu schaffen machte und mit einem gut gefüllten Eimer Salz das Weite suchen wollte. Die Polizei beliess es vorerst bei einem Rüffel. Sollte der Winter aber weiterhin so kalt bleiben, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Staatsbediensteten auch von der Schusswaffe Gebrauch machen werden.

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Katholische Kirche – sexuelle Misshandlungen

30 Jan

Wie dumm muss man sein, wenn jemand seine eigenen Kinder wieder in die Schule schickt, in der man selber missbraucht wurde?
Die Katholische Kirche hat mal wieder zugelangt und veröffentlich, turnusmässig, wie andere Firmen ihren alljährlichen Hauptjahresabschluss, die traurige Gewissheit, dass Schüler einer kirchlichen Einrichtung sexuell missbraucht wurden. Gras über die Sache ist noch nicht gewachsen, denn immer mehr ehemalige Schüler des Canisius-Kollegs in Berlin outen sich und geben zu, den damaligen Patres hörig gewesen zu sein. Dabei sollen ehemalig Geschädigte des Kollegs von einem Mordanschlag auf einen der beiden Peiniger gehört haben, so der Verfasser vom Spreeblick, der selber dort in diese Schule ging.
Nach jetzigem Stand seien 21 Schüler in den 70er und 80er Jahren betroffen, die von beiden mittlerweile erimitierten Patres genötigt wurden. Dass einige Missbrauchten im Nachhinein ihre eigenen Kinderr auf das Jesuitengymnasium schickten, ist in diesem Zusammenhang nicht nur ein Affront gegenüber den eigenen Kindern, sondern auch gegenüber den Missbrauchten, die wohlweislich dieser Schule fortan fernblieben. Juristisch dürften sich hier die ehemals Betroffenen, die ihre Kinder weiter auf diese Schule schickten, der Fahrlässigkeit, wenn nicht gar der Zuhälterei, strafbar machen, sollten aktuell sexuelle Übergriffe auf ihre eigenen Sprösslinge bekannt werden. Nach dem Glaubensbekenntnis Gott vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun, versuchte man wohl auf beiden Seiten, bei Opfern wie bei deren Vorgesetzten, diese Fehltritte zu vertuschen. Ganz zu schweigen von den beiden Patres, die bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und weiter ihren Vorlieben nachgehen, – vielleicht in einer kirchlichen Einrichtung.

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Singles – Wanderungen

23 Jan

Die Bemühungen, aus Singles Beziehungen zu formen, scheinen grenzenlos zu sein. Auf Partys, wo ein Fisch ein Fahrrad sucht, beim Shoppen, wo Singles spätestens an der Kasse ein paar Worte wechseln, oder beim Speeddating, wo innerhalb von ein paar Minuten alles Wichtige zur Person ausgetauscht werden sollte.
Nun sind Wanderungen für Singles angesagt. Die Wanderungen haben ein Motto, zum Beispiel Schlossbesichtigungen. Und da es in Berlin und Brandenburg nicht nur viele Singles sondern auch ein Haufen Schlösser gibt, wird dort hierzu eingeladen. So stapft dann eine wohlüberlegte Anzahl an Beziehungslosen durch den Schnee und nimmt die Schlösserschau zum Anlass, sich näher zu kommen. Selbstverständlich gilt auch hier, dass die Historie des Preussischen Schlosses weniger im Vordergrund steht, sondern die Bereitwilligkeit auf das Zusammenkommen oftmals vertrackter Persönlichkeiten und Charakteren. Sollte der ein oder andere Singles auf dieser Tour kein Feuer fangen, sind von dem Organisator aus Potsdam schon weitere Singleevents geplant.

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Krankenversicherung – lifetime maximum ala USA

20 Dez

Die Krankenversicherungen in den USA legen ein lifetime maximum fest, wonach ihnen das Leben jeder ihrer Versicherten 1,5 Millionen Dollar wert ist. Wird der Betrag überschritten, muss der Versicherer nicht weiter für den in der Regel mittlerweile Totkranken aufkommen und kündigt ihm die Versicherung. Bis es soweit kommt, kann der Arbeitnehmer pro Monat einen bezahlten Krankentag in Anspruch nehmen. Sollte er über Jahre diese nicht in Anspruch nehmen, kann er sich dieses Zeitpolster für kommende Krankentage aufsparen. Wird dieses Polster noch während des Jobs aufgebraucht, wird ihm von Seiten des Arbeitgebers gekündigt. Damit erlischt auch die Versicherung, da sie am Job gekoppelt ist. Sollte sich der Arbeitnehmer doch noch so fit fühlen, sich um einen anderen Arbeitsplatz zu bewerben, muss er dies mit dem Makel der preexisting condition, einer bereits erkannten Krankheit, tun und dies auch der neuen Versicherung beichten.
Dass dies durch den jetzigen Präsidenten Barack Obama geändert werden soll, nachdem sein Kollege Bill Clinton hieran schonmal gescheitert war, macht Sinn, denn nach aktueller Lage für krankgewordene Arbeitgeber – wenn sie denn versichert sind – hilft es wenig, versichert zu sein, da bei einer ernsthaften Krankheit beide Konten, Versicherung wie Krankentage, schnell aufgezehrt sind, und der Patient sich danach nur noch im freien Fall befindet – und mit ihm die restliche Familie.

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John Maynard – Theodor Fontane

8 Mai

john maynard

John Maynard!
„Wer ist John Maynard?“
„John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo –
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?“
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
„Noch dreißig Minuten … Halbe Stund.“

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –
Da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
„Feuer!“ war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. –

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
„Noch da, John Maynard?“
„Ja,Herr. Ich bin.“

„Auf den Strand! In die Brandung!“
„Ich halte drauf hin.“
Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. – –

„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s
Mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n
Himmelan aus Kirchen und Kapell’n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug‘ im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
„Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Links:

Lyrikwelt: Theodor Fontane

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